Founder Memo: Warum EMS-Studios falsche Versprechen verkaufen – und was das mit der ganzen Fitnessbranche macht

Gerade im Auto. Musste kurz anhalten.
Bin an einem EMS-Studio vorbeigefahren. Großes Schild. Große Versprechen. "20 Minuten pro Woche reichen."
Und ich merk, wie mich das immer noch aufregt.
Nicht wegen dem Konzept. Sondern wegen dem, was danach passiert.
Die Geschichte, die ich immer wieder höre
Ich höre das regelmäßig von Leuten, die bei uns im ATMO Club anfangen. Immer die gleiche Geschichte. Fast wörtlich.
"Ich hab vorher EMS gemacht. Ein Jahr lang. Hat sich nie wirklich was verändert."
Ein Jahr. Zwölf Monate. 52 Termine. Und am Ende steht jemand bei uns im Studio und sagt: Hat nichts gebracht.
Die haben gezahlt. Nicht wenig. Teilweise ähnlich viel wie bei uns. Aber der Wert dahinter? Komplett andere Welt.
Und das ist nicht die Ausnahme. Das ist das Muster.
Letztens stand eine Frau bei uns zum Probetraining. Mitte 30. Zwei Kinder. Wenig Zeit. Genau die Person, die ein EMS-Studio als ideale Kundin bezeichnen würde. Sie hatte 14 Monate EMS hinter sich. 120 Euro im Monat. Ihr Feedback: "Ich hab mich jede Woche hingelegt, mir wurden Elektroden angeklebt, und ich bin danach nach Hause gefahren. Verändert hat sich nichts."
14 Monate mal 120 Euro. Das sind knapp 1.700 Euro für ein Ergebnis, das sie selbst als Null beschreibt.
Der eigentliche Schaden
Und hier wird es für mich persönlich. Weil der finanzielle Verlust nicht das Schlimmste ist.
Das Schlimmste ist, was mit der Motivation passiert.
Die meisten Menschen, die sich für Training entscheiden, treffen damit eine der besten Entscheidungen ihres Lebens. Sie überwinden sich. Sie nehmen Geld in die Hand. Sie nehmen sich Zeit, die sie eigentlich nicht haben. Für viele ist das ein riesiger Schritt. Kein kleiner. Ein riesiger.
Und dann landet jemand bei einem Anbieter, der sagt: 20 Minuten Elektroden reichen.
Das Versprechen klingt perfekt. Wenig Zeit, großer Effekt. Genau das, was jemand mit vollem Terminkalender hören will. Also geht die Person hin. Woche für Woche. Und wartet auf die Veränderung, die nicht kommt.
Nach ein paar Monaten ohne sichtbares Ergebnis setzt sich ein Gedanke fest, der viel gefährlicher ist als ein leerer Geldbeutel. Der Gedanke lautet: "Bei mir funktioniert das halt nicht."
Nicht: "Das Produkt war schlecht." Sondern: "Ich bin das Problem."
Und genau das macht mich wütend.
Weil diese Menschen nicht das Problem sind. Die Entscheidung war richtig. Die Bereitschaft war da. Nur das Produkt hat nicht geliefert. Aber das merken die wenigsten. Die meisten geben sich selbst die Schuld und hören ganz auf.
Was in der Fitnessbranche schief läuft
Es gibt ein Geschäftsmodell, das in der Fitnessbranche extrem gut funktioniert. Es basiert auf drei Säulen.
Erstens: Niedrige Schwelle. Mach es so leicht wie möglich, Ja zu sagen. 20 Minuten. Kein Schweiß. Kein Umziehen. Keine Anstrengung.
Zweitens: Hohe Preise. Weil es nach Exklusivität klingen muss, wenn es nach nichts anderem klingen kann.
Drittens: Bindung ohne Ergebnis. Weil das Ergebnis nie der Maßstab war. Der Maßstab war die Unterschrift auf dem Vertrag.
Dieses Modell funktioniert finanziell. Es funktioniert nur nicht für die Menschen, die dafür bezahlen.
Und das ist für mich die Grenze.
Ich habe nichts gegen EMS als Ergänzung. Wer das als Zusatz nutzt, on top von echtem Training, soll das machen. Das kann Sinn ergeben. Aber als alleiniges Training verkauft, mit dem Versprechen, es reiche aus? Das ist nicht Training. Das ist Marketing mit Elektroden.
Was wir in der Branche schuldig sind
Wir in der Fitnessbranche haben eine Verantwortung. Eine echte. Keine theoretische.
Wenn jemand den Schritt macht und sagt "Ich will was ändern", dann haben wir die Pflicht, das ernst zu nehmen. Nicht auszunutzen.
Keine falschen Versprechen. Kein Shortcut-Verkauf. Kein "das reicht schon."
Sondern ehrlich sagen: Das hier wird unbequem. Du wirst schwitzen. Es braucht mehr als 20 Minuten. Aber es wird funktionieren.
Das ist der Deal. Kein anderer.
Und ja, damit verliert man Kunden. Leute, die den bequemen Weg suchen, werden sich nicht für uns entscheiden. Nicht am Anfang. Aber die, die bleiben, bleiben aus den richtigen Gründen. Und die verändern sich tatsächlich. Körperlich. Mental. Langfristig.
Die unbequeme Wahrheit über wirksames Training
Ich werde oft gefragt, was wirksames Training ausmacht. Meine Antwort ist meistens unbefriedigend, weil sie so einfach ist.
Regelmäßig auftauchen. Echte Belastung. Progressive Steigerung. Grundübungen, die den ganzen Körper fordern. Und genug davon, um eine Anpassungsreaktion auszulösen.
Das sind keine Geheimnisse. Das ist Trainingswissenschaft auf Grundkurs-Niveau. Jeder Sportstudent im zweiten Semester kann das erklären.
Aber es verkauft sich schlechter als "20 Minuten reichen."
Weil die Wahrheit nicht bequem ist. Die Wahrheit ist: Wer seinen Körper verändern will, muss ihn fordern. Nicht 20 Minuten pro Woche. Sondern drei, vier, fünf Einheiten, in denen man sich wirklich bewegt. In denen man Gewicht bewegt. In denen man außer Atem kommt. In denen man an seine Grenze geht und sie Stück für Stück verschiebt.
Das dauert nicht 20 Minuten. Und es ist nicht bequem. Aber es funktioniert. Nachweisbar. Wiederholbar. Bei jedem.
Was wir im ATMO Club anders machen
Wenn jemand bei uns anfängt, sagen wir nicht: "Das wird easy." Wir sagen: "Das wird hart. Und genau deswegen wird es funktionieren."
Unsere Kurse dauern 60 Minuten. Nicht weil wir Leuten die Zeit stehlen wollen. Sondern weil das die Zeit ist, die es braucht, um echte Arbeit zu leisten. Aufwärmen. Technik. Belastung. Cooldown.
Wir arbeiten in kleinen Gruppen. Maximal 12 bis 15 Personen. Jeder wird gesehen. Jeder wird korrigiert. Keiner versteckt sich.
Und wir haben etwas, das kein EMS-Studio der Welt ersetzen kann: eine Community, die dich nicht gehen lässt. Nicht im Sinne von Druck. Im Sinne von Zugehörigkeit. Von Verbindlichkeit. Von Menschen, die dich erwarten, wenn du Dienstag um 18 Uhr durch die Tür kommst.
Das ist der Unterschied. Nicht das Equipment. Nicht das Konzept. Sondern die Tatsache, dass es bei uns um echte Veränderung geht. Und dafür gibt es keinen Shortcut.
Der eigentliche Punkt
Wer wenig Zeit hat, verdient Training, das maximal wirkt. Nicht Training, das maximal bequem klingt.
Das ist ein Satz, den ich mir vielleicht irgendwann auf die Wand im Studio schreiben lasse. Weil er das ganze Problem und die ganze Lösung in einer Zeile zusammenfasst.
Wenig Zeit ist kein Argument für schlechtes Training. Wenig Zeit ist das stärkste Argument für gutes Training. Weil jede Minute zählen muss.
Und wer Menschen mit wenig Zeit ein Produkt verkauft, das ihre wenige Zeit verschwendet, der richtet mehr Schaden an als er glaubt. Nicht nur am Geldbeutel. Am Vertrauen. An der Motivation. An der Überzeugung, dass Veränderung überhaupt möglich ist.
Dafür stehe ich nicht.
Coach Lorenz ist Founder des ATMO Club in Garbsen bei Hannover. Der ATMO Club ist ein Functional Fitness Studio mit über 334 aktiven Mitgliedern, 60+ Kurseinheiten pro Woche und Fokus auf HYROX-Training, Functional Fitness und echte Community. Mehr über den ATMO Club auf atmo-club.de oder auf Instagram @atmoclub_hannover.
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